Konzept

„Niemand wird ausgeschlossen“

Schuleigenes Konzept für das Gemeinsame Lernen

an der Realschule Steinhagen

 

Vorwort

Die Realschule Steinhagen liegt gemeinsam mit dem Steinhagener Gymnasium in einem Schulzentrum und wird z.Zt. von rund 570 Schülerinnen und Schülern ganztägig besucht. Zum Einzugsgebiet der Schule zählen  5 Grundschulen, an denen in der Regel gemeinsamer Unterricht erteilt wird.

Seit dem Schuljahr 2014/2015 ist die Realschule Steinhagen ein Ort des Gemeinsamen Lernens und ermöglicht allen Schülerinnen und Schülern einen barrierefreien Zugang zu den Angeboten des Unterrichts. Die Inklusion soll dabei eine gemeinsame, wohnortnahe Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf ermöglichen.

Grundsätzlich werden Schülerinnen und Schüler aller Förderschwerpunkte zielgleicher und zieldifferenter Bildungsgänge aufgenommen. Ziel ist es, einen Beitrag zur Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft zu leisten, in der jeder Mensch in seiner Individualität akzeptiert wird und die Möglichkeit hat, an allen Lebensbereichen teilzuhaben.

Übergang von der Grundschule

Bereits seit Jahren besteht eine enge Zusammenarbeit mit den abgebenden Grundschulen. In regelmäßigen Treffen vor und nach dem Übergang werden unter den Lehrkräften Informationen ausgetauscht und Beratungsgespräche geführt.

Dies gilt auch für Grundschulen bzw. Förderschulen, die hinzukommen, weil erstmalig Kinder mit Förderbedarf von diesen Schulen an die Realschule Steinhagen wechseln. Im Übergang von der Grundschule an die Realschule Steinhagen bieten wir individuelle Beratungsgespräche für Eltern und Hospitationsstunden für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf  nach vorheriger Absprache an.

Klassenbildung im Gemeinsamen Lernen

In unseren inklusiven Klassen sollte vor dem Hintergrund des besonderen Lernens und Lehrens die Klassenstärke von 25 Schülerinnen und Schülern nicht überschritten werden. In den jetzigen inklusiven Klassen der Jahrgänge 5 und 6 liegt die Klassenstärke jedoch durchgängig bei 28-30 Kindern.

Bei der Bildung der Klassen achten wir auf eine heterogene Zusammensetzung bezüglich der Nationalitäten, der Konfessionen sowie der Leistungsvermögen. Jeder Eingangsklasse werden in der Regel nicht mehr als zwei Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf zugeordnet. Übergangsgespräche und Besuche in den Grund- und Förderschulen bilden eine wesentliche Grundlage für die Klassenzusammenstellung. Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf sollen so eingebunden werden, dass sie keine erkennbare Sonderstellung im sozialen Gefüge einer Klassengemeinschaft einnehmen. Dies gilt natürlich auch für überdurchschnittlich begabte Kinder.

Personelle Ausstattung

Im laufenden Schuljahr können durch zugewiesene Stunden mit sonderpädagogischer Förderung 27 Stunden in den Jahrgängen 5 und 6 in der Doppelbesetzung durchgeführt werden. Ziel ist es, möglichst viele dieser Stunden in der Kombination Hauptfachlehrer-Förderschullehrer durchzuführen. Die Förderschullehrer stehen so in engem Kontakt zu den Klassen- und Hauptfachlehrern und bereiten gemeinsam Unterrichtsvorhaben und Differenzierungsmöglichkeiten für die Förderkinder vor.

An unserer Schule arbeiten zwei Schulsozialarbeiter, die ihr gemeinsames Büro im Schulgebäude haben. Diese werden in die Erziehungsarbeit im Gemeinsamen Lernen im Sinne unseres Erziehungskonzeptes mit eingebunden.

Außerdem werden Mitarbeiter der Jugendorganisation Falken als Unterrichtsbegleiter und -unterstützer in den Jahrgangsstufen 5-7 an unserer Schule eingesetzt. Sie leisten wertvolle Arbeit im Bereich der individuellen Förderung und Unterstützung im Regelunterricht.

Integrations-Kräfte

Bei Bedarf kann auf Antrag der Eltern eine Schulbegleitung vom Jugendamt bewilligt werden. Diese Integrations-Kraft begleitet die jeweilige Schülerin/ den jeweiligen Schüler im Unterricht und in den Pausen. Sie hilft bei der Strukturierung des Schulalltags, leistet Hilfe in Krisensituationen, unterstützt die Erweiterung der Sozialkompetenzen und sorgt für regelmäßigen Austausch zwischen Schule und Elternhaus.

Das Klassenlehrer-Team und die Förderschullehrer unserer Schule stehen im engen Kontakt zu den Integrations-Kräften.

Räumliche und sächliche Ausstattung

In der Realschule Steinhagen werden z.Zt. rund 570 Schülerinnen und Schüler in 20 Klassen unterrichtet. Jede Jahrgangsstufe verfügt über einen nahegelegenen Differenzierungsraum, der in Absprache mit den Jahrgangskollegen für differenzierte Unterrichtsphasen genutzt wird. Mit dem Übergang in das Gemeinsame Lernen im Schuljahr 2014/15 haben wir begonnen, diese Differenzierungsräume mit Freiarbeits-Materialien auszustatten.

Zu Beginn des Schuljahres 2014/15 wurde ein Fahrstuhl in das Schulgebäude der Realschule Steinhagen eingebaut, so dass nun sämtliche Unterrichtsräume barrierefrei erreichbar sind.

Für die Angebote im Ganztag stehen den Schülerinnen und Schülern neben den Klassen-, Differenzierungs- und Fachräumen auch der Falkenhorst – ein von der Mensa zum Spieleraum umfunktionierter großer Aufenthaltsort – zur Verfügung. In der Mittagspause übernehmen hier Mitarbeiter der Jugendorganisation „Falken“ zusätzlich zu den Lehrkräften die Schülerbetreuung. Die Schulsozialarbeit ist räumlich nahe gelegen zu diesem großen Pausenaufenthaltsbereich der Falken.

Ein Förderraum mit differenzierendem Unterrichtsmaterial befindet sich im Aufbau. 

Teamstrukturen

Jede Klasse wird von zwei Lehrkräften als Klassenlehrer-Team geführt und begleitet. Dieses Klassenlehrer-Team ist für Kinder wie Eltern der erste Ansprechpartner in allen individuellen, schullaufbahn- und klassenbezogenen Fragen. Beide Klassenlehrer einer Klasse sind mit möglichst vielen Unterrichtsfächern in ihrer Klasse vertreten und in der Regel in Parallelklassen des Jahrgangs eingebunden.

Die 6 Klassenlehrer des Jahrgangs bilden gemeinsam mit den Förderpädagogen das Jahrgangsteam. In wöchentlichen Teamsitzungen finden regelmäßig kollegiale Beratung sowie  pädagogische und organisatorische Absprachen statt.

Gemeinsames Lernen im Unterricht

Der Unterricht erfolgt an der Realschule Steinhagen gemäß der Stundentafel des jeweiligen Jahrgangs auf Basis der Richtlinien und Lehrpläne der Realschule. Kinder mit den Förderschwerpunkten Lernen (L) und geistige Entwicklung (GE) werden zieldifferent überwiegend im gemeinsamen Klassenraum unterrichtet. Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (ESE) werden zielgleich unterrichtet. Der Unterricht für Kinder mit Förderbedarf orientiert sich neben den Lehrplänen an individuellen Föderplänen.

Jedes Kind soll da abgeholt werden, wo es steht und entsprechend seiner individuellen Fähigkeiten gefördert und gefordert werden. Wichtig sind uns dabei die gemeinsamen Lernerfahrungen am gleichen Unterrichtsgegenstand, jedoch mit unterschiedlichen Lernzielen und Lernergebnissen.

Für die Planung und Durchführung des Unterrichts sind Realschullehrkräfte und Förderschullehrkräfte gleichermaßen zuständig. Im laufenden Schuljahr können durch zugewiesene Stunden mit sonderpädagogischer Förderung 27 Stunden in der Doppelbesetzung durchgeführt werden.

Schulorganisatorisch wird der Unterricht vermehrt in Doppelstunden erteilt, um die Anzahl der Fächer und die Menge des benötigten Materials für die Schülerinnen und Schüler möglichst gering zu halten. In den inklusiven Klassen stehen den Schülerinnen und Schülern zusätzlich zu den Spinten in den Schulfluren auch Schubladenschränke für ihr Unterrichtsmaterial im Klassenraum zur Verfügung.

Wünschenswert wäre epochaler Einsatz der Förderschullehrer in den Hauptfächern, um das Erstellen von differenzierendem Unterrichtsmaterial sowie Tests und Klassenarbeiten auf verschiedenen Leistungsniveaus zu ermöglichen.

Förderpläne

Für alle Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden individuelle Förderpläne geschrieben (AO-SF §19,6). Diese werden in Förderplankonferenzen regelmäßig von allen unterrichtenden Lehrern überarbeitet. Die Förderschulkollegen sind in diesem Prozess an der Realschule Steinhagen federführend und begleiten den Austausch mit dem Elternhaus.

Inklusive Kulturen, Strukturen und Rituale

Für das Schulleben an unserer Realschule Steinhagen ist uns wichtig, dass niemand ausgeschlossen wird. Das gilt auch für den alltäglichen Unterricht. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden mit allen Kindern gemeinsam im Klassenraum unterrichtet und  erhalten keine erkennbaren Sonderstellungen im sozialen Gefüge einer Klassengemeinschaft. Angepasst an ihren Förderschwerpunkt arbeiten sie am gleichen Thema, jedoch mit unterschiedlichen Lernzielen und Lernergebnissen.

Wechselnde Kleingruppen, kooperative Lernformen und individuelle Unterstützung durch I-Kräfte und Falken unterstützen den Lernprozess jedes einzelnen.

Für den Unterricht in den inklusiven Klassen haben wir uns auf gemeinsame Rituale und Organisationsformen aus dem Bereich des Classroom-Managements geeinigt, die in allen Klassen gelten:

  • Einsatz der Timetex-Uhr zur Visualisierung der Arbeitszeit

  • Einsatz der Klangschale als Ruhezeichen

  • Einsatz von gelben und roten Karten bei Unterrichtsstörungen (s. Erziehungskonzept)

  • Einsatz der Sanduhr bei Ruhestörungen

  • Klassenthermometer zur positiven Verstärkung und Planung von Klassenaktionen

Zum Schuljahr 2016/2017 soll eine Fachkonferenz Inklusion aus Förderschullehrern, Inklusionsbeauftragten und interessierten Lehrerinnen und Lehrern einrichtet werden.

Leistungsbewertung

Alle Schülerinnen und Schüler nehmen – angepasst an den jeweiligen Förderschwerpunkt – an Leistungsüberprüfungen teil. Ein Nachteilsausgleich wird bei zielgleich unterrichteten Schülerinnen und Schülern unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse gewährt. Grundlage der Leistungsbewertung sind die jeweiligen Richtlinien des Förder-schwerpunktes bzw. die Richtlinien der Realschule.

Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (ESE) sowie dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (GE) werden in ihren Leistungsüberprüfungen nicht benotet, können aber eine Rückmeldung der erbrachten Leistungen in Prozentangaben bekommen.

Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen (L) und geistige Entwicklung (GE) werden im Zeugnis ohne Notenstufen beschrieben. Der Bedarf an sonderpädagogischer Förderung wird einmal jährlich durch die Klassenkonferenz (AO-SF §15 Abs.1) überprüft und kann ggf. aufgehoben oder ausgesetzt werden.

Zeugnisse

Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf erhalten ein Zeugnis mit der Angabe des Förderschwerpunktes und des Bildungsgangs, in dem das Kind unterrichtet wird. Die Zeugnisse im Bildungsgang Lernen (LE) und geistige Entwicklung (GE) sind Textzeugnisse ohne Notenstufen. Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt ESE bekommen eine Beschreibung ihres Arbeits- und Sozialverhaltens mit auf das Notenzeugnis.

Schulabschlüsse

Alle zielgleich geförderten Schüler erhalten den von ihnen in der Klasse 10 erreichten Schulabschluss der Realschule.

Alle zieldifferent geförderten Schüler erhalten den Abschluss der Förderschule ihres Förderschwerpunktes.

Zieldifferent geförderte Schüler mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ können bei ent-sprechenden Leistungen den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 erhalten.

Evaluation

Unser schuleigenes Konzept für das Gemeinsame Lernen an der Realschule Steinhagen wird einmal im Schulhalbjahr in den Teamsitzungen 5 und 6 evaluiert und fortgeschrieben. Ergebnisse und Änderungen werden halbjährlich in der Lehrerkonferenz vorgestellt und verabschiedet.